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Krebs durch alte Sonnencreme?

Benzophenon kann im Gewebe Schaden anrichten und gilt als krebserregend. Ein Forscherteam hat in Sonnencremes nun genau diesen Stoff gefunden. Alte Sonnencreme enthielt sogar die doppelte Menge davon.

Im Frühjahr an den Sonnenschutz denken

Die ersten Sonnenstrahlen genießen? Aber bitte mit Sonnenschutz. Denn unsere Haut ist jetzt noch nicht an die Sonne gewoht und muss ihren natürlichen Schutz erst noch aufbauen. Auch die UV-Strahlung ist oft stärker als gedacht.

Ursache ist die natürliche Ozonschicht der Arktis, die im Frühjahr oft dünner als gewöhnlich ist und weniger UV-Strahlung abschirmen kann. Mit polarer Luft entstehen so kurzzeitige „Mini-Ozonlöcher“ und dringen bis nach Mitteleuropa vor. Darauf weist die Deutsche Krebshilfe hin.

Gerade im Frühling sollte man daher den Sonnenschutz nicht vergessen. Andernfalls drohen gefährliche Haustschäden. Allerdings greift man dabei besser nicht auf alte Sonnencreme aus dem Vorjahr zurück. Warum das so ist, zeigt ein amerikanisch-französisches Forscherteam.

Je älter die Sonnencreme, umso krebserregender

Benzophenon bezeichnen Biochemiker*innen als Mutagen, Karzinogen und endokriner Disruptor. Das klingt nicht nur gefährlich, sondern ist es auch. Der Stoff kann in lebenden Geweben Schaden anrichten und sollte auf keinen Fall mit der Haut in Verbindung gebracht werden. Dermatolog*innen schätzen, dass bis zu 70 Prozent des Benzophenons aus Cremes über die Haut aufgenommen wird.

Nun haben Forscher*innen in einer Studie frische und alte Sonnencreme untersucht und genau diesen ungesunden Stoff Benzophenon in hohen Mengen nachgewiesen. In neun Sonnencremes und Lotionen aus der Europäischen Union und acht Produkten aus den Vereinigten Staaten wurden die Forscher*innen fündig.

UV-Filter Octocrylen ist schuld

Vor allem Sonnenschutzmittel, die den synthetisch hergestellten UV-Filter Octocrylen enthalten sind belastet. So wiesen sechzehn octocrylenhaltige Produktlinien, die frisch gekauft wurden, zunächst eine durchschnittliche Konzentration von 39 mg/kg Benzophenon auf. In dem Produkt, das kein Octocrylen enthielt, war Benzophenon auch nicht nachweisbar.

Die Forscher*innen unterzogen alle 17 frischen Sonnenschutzmittel dann einem beschleunigten Alterungsprozess. Benzophenon war weiterhin in dem Produkt, das am Anfang kein Octocrylen enthielt, nicht nachweisbar. Die 16 octocrylenhaltigen Produkte hatten nach der Altersbehandlung eine durchschnittliche Konzentration von 75 mg/kg. Der krebserregende Stoff hatte sich also praktisch verdoppelt.

Aus Octocrylen entsteht über die Zeit Benzophenon – und zwar durch eine chemische Reaktion (Retro-Aldol-Kondensation). So erklären sich die Forscher*innen die erhöhte Menge des kanzerogenen Stoffs in alten Sonnencremes.

Welche UV-Filter sind unbedenklich?

Prinzipiell gibt es physikalische und chemische UV-Filter, die in Sonnencremes zum Einsatz kommen. Erstere sind gesundheitlich eher unbedenklicher. Ihr Schutz liegt ausschließlich in einem physikalischen Effekt. Sie reflektieren die Strahlung mittels kleiner Plättchen. Solche Cremes hinterlassen auf der Haut einen weißen Film. Chemische UV-Filter ziehen hingegen in die Haut ein und reagieren mit der UV-Strahlung.

Gibt es unbedenkliche chemische Filter

Nachfolgend sind die chemischen Filter aufgelistet, die nur bei wenigen Menschen Allergien auslösen und denen keine hormonelle Wirkung in Studien nachgewiesen werden konnte. Diese Filter sind lichtstabil und sollten auf der Verpackung des Sonnenschutzmittels wie folgt ausgewiesen sein:

  • Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine (Tinosorb S)
  • Drometrizole Trisiloxane (Meroxyl XL)
  • Terephthalylidene Dicamphor Sulfonic Acid (Mexoryl SX)
  • Ethylhexyl Triazone (Uvinul T 150)
  • Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (Uvinul A Plus)
  • Diethylhexyl Butamido Triazone (Iscotrizinol)
  • Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid (Enzulisol)
  • Butyl Methoxydibenzoylmethane (Avobenzone)

5 Tipps für den Umgang mit Sonnencreme

  1. Um sicherzugehen: Alte Sonnencreme besser entsorgen. Man kann einem Sonnenschutzmittel die Bildung von krebserregenden Stoffen nicht ansehen.
  2. Vor allem alte Sonnencreme mit chemischen UV-Filtern nach der Saison entsorgen und nicht im darauffolgenden Jahr wiederverwenden. Alte Sonnencreme schadet unter Umständen mehr als sie nutzt.
  3. Sonnenschutzmittel gehören am Ende des Jahres in den Müll, vor allem, wenn sie an warmen Orten aufbewahrt wurden, wie beispielsweise in der Strandtasche. Sie haben durch Wärme einen schnelleren Alterungsprozess durchlaufen.
  4. Für Kinder eignen sich mineralische UV-Filter wie Titaniumdioxid oder Zinkoxid (INCI: Titanium Dioxide, Zink Oxide) grundsätzlich besser.
  5. Wenn du Sonnenschutzmittel kaufst, dann achte darauf, dass die enthaltenden chemischen Filter aus der Positiv-Liste weiter oben entstammen. Sie lösen keine allergischen Reaktionen aus und können nicht durch UV-Licht in gesundheitsschädliche Bestandteile zerfallen.