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Abhärten durch Eisbaden?

Wenn es draußen kalt und frostig ist, freuen sich hart gesottene Winterschwimmerinnen und -schwimmer. Denn für sie beginnt jetzt die Badesaison. Doch Eisbaden ist für den Körper nicht ohne und kann gefährlich werden.

Eisbaden als Corona-Trend

Im vergangenen Winter haben immer mehr Menschen das Eisbaden für sich entdeckt: Mit Pudelmütze und in Badesachen sah man Jung und Alt vielerorts in eisige Gewässer steigen – um der Langeweile im Lockdown zu entkommen und den Viren zu trotzen. Auch zahlreiche Promis haben mitgemacht und in den sozialen Medien fleißig Fotos oder Videos gepostet, wie sie gut gelaunt in den zum Teil zugefrorenen See eintauchen oder strahlend aus den dampfenden Fluten steigen.

Wirklich neu ist das Winter- oder Kaltwasserschwimmen jedoch nicht. In Skandinavien und Russland hat Eisbaden eine lange Tradition. Viele mitteleuropäische Nationen gehören ebenfalls nicht zu den Warmduschern beziehungsweise Warmbadern, sondern zelebrieren den Gang ins frostige Wasser. So gibt es auch hierzulande diverse Winterschwimm-Vereine, zudem ist das Anbaden zu Silvester und Neujahr an der See beliebt.

Was hat es mit dem Winterbaden auf sich?

Beim Winter- oder Eisbaden taucht man etwa bis zur Brust ins kalte Nass ein. Die Wassertemperatur liegt dabei bestenfalls etwas über dem Gefrierpunkt. Auf den extremen Kältereiz reagiert der Organismus regelrecht geschockt: Die Gefäße der Haut ziehen sich zunächst panikartig zusammen, dann weiten sie sich, damit das Blut schneller zirkulieren und der Körper die Temperatur halten kann. Auch Stresshormone wie Adrenalin sowie Endorphine und entzündungshemmende Stoffe werden ausgeschüttet, damit man den ultimativen Kältetest auch hinterher einigermaßen gut wegsteckt.

Warum soll man Eisbaden?

Regelmäßige Eisbäder sollen das Immunsystem stärken und vor Infekten schützen. Auch Herz-Kreislauf-System, Leistungsfähigkeit und Stimmung profitieren angeblich von dem frostigen Badespaß. Verlässliche Daten zur Wirksamkeit oder Studien, die den positiven Effekt belegen, gibt es jedoch nicht. Allerdings sind Warm-Kalt-Reize in der Naturheilkunde schon lange bekannt und bewährt. Denn sie trainieren die Anpassungsfähigkeit des Körpers und damit auch seine Widerstandskraft.

Ist Eisbaden gefährlich?

Die Belastung für den Körper ist beim Eisbaden enorm. Einfach so ins frostige Wasser hüpfen, ist daher keine gute Idee. Vor allem Neulinge sollten es stattdessen ruhig angehen lassen und sich langsam an die kalten Wassertemperaturen herantasten.

Generell gilt: Wenige Sekunden oder Minuten im Eiswasser genügen – je nach Gewöhnungs- und Trainingsstand. Zudem sollte man nicht alleine baden gehen und sich vorher gut aufwärmen, beispielsweise durch Bewegung und warme Kleidung. Warm einpacken ist auch hinterher angesagt, um keine Unterkühlung zu riskieren.

Für Menschen mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen oder Gefäßerkrankungen ist Eisbaden absolut tabu. Auch bei anderen gesundheitlichen Beschwerden kann das winterliche Bad im See oder Fluss ungewollte Folgen haben. Sprich im Zweifelsfall einfach mit deiner Ärztin oder deinem Arzt reden, ob es medizinische Einwände gegen das winterliche Badevergnügen gibt.

Wie oft sollte man Eisbaden?

Wer einmal im Jahr ins frostige Wasser steigt, fühlt sich hinterher vielleicht großartig. Einen bleibenden Effekt für Immunsystem, Herz, Kreislauf und Leistungsfähigkeit hat das aber sicher nicht. Dafür muss man schon regelmäßig ins kalte Wasser steigen. Fachleute raten zu zwei bis drei Badesessions pro Woche.

Eisbaden: 9 Tipps für Beginner

  1. Bereite dich langsam aufs Winterbaden vor, zum Beispiel durch kalte Duschen, und steige die ersten Male mit Neoprenanzug ins Wasser.
  2. Lerne deine Atmung zu kontrollieren. Wenn du es schaffst, trotz Kälteschock langsam und kontrolliert zu atmen, fühlt sich die Kälte weniger heftig an.
  3. Geh nicht alleine baden und steig niemals ohne Sicherung in Wasserlöcher im Eis!
  4. Mach dich warm, bevor du ins Eis gehst. Neben kuscheliger Kleidung haben sich Atem- und Aufwärmübungen bewährt.
  5. Lass deine Mütze auch im Wasser an, damit der Kopf nicht so schnell auskühlt.
  6. Trag Schuhe oder Neoprensocken. Sie schützen die eingefrorenen Füße, wenn der Untergrund steinig und rutschig ist.
  7. Tauch nur bis zur Brust ein und halte die Hände übers Wasser.
  8. Bleib nur ganz kurz im Wasser. Wenige Sekunden genügen für den Anfang.
  9. Mummel dich hinterher ganz schnell wieder warm ein, inklusive dicker Socken und Schuhe, Schal, Handschuhen, Mütze etc.