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Alkohol-Fasten

Jetzt beginnt die Fastenzeit. Eine gute Gelegenheit, bis Ostern auf Alkohol zu verzichten. Aber was bringt es mir, mal über einen längeren Zeitraum aufs geliebte Bier oder das Glas Wein zu verzichten?

Corona-Pandemie fördert Alkoholkonsum

Vor allem jetzt im Winter wird es früh dunkel und man sitzt dank Corona abends allein zu Hause. Freunde besuchen geht nicht, alle Kultureinrichtungen sind geschlossen. Dann nehmen viele vor den Fernseher Platz und streamen sich durch einen neuen Serienmarathon. Nebenbei ein Glas Wein oder das ein oder andere Bier, das fühlt sich schon ganz normal an.

Während der Corona-Pandemie hat der Alkoholgenuss pro Bundesbürger deutlich zugenommen. Es ist also keineswegs so, dass Alkohol vorwiegend in Kneipen oder Restaurants getrunken wird. Wenn alles geschlossen hat, dann schenkt man sich eben zu Hause ein Glas ein. Eine Angewohnheit, die leider auf Dauer in die Abhängigkeit führen kann. Ganz schleichend, ohne dass man sich dessen bewusst wird. Zeit also, Gewohnheiten zu überdenken und damit zu brechen. Denn dafür ist sie ja da, die Fastenzeit.

Kulturdroge Alkohol

Keine Feier ohne Alkohol. Immer und überall wird Mehr- oder gar Hochprozentiges angeboten. Das wird einem erst dann richtig klar, wenn man mal eine Zeit lang auf unsere liebste Kulturdroge verzichten möchte. „Ach, nur einen kleinen Schluck zur Feier des Tages.“ „Lass uns das begießen!“ „Hoch die Tassen!“ Natürlich ist nicht von Wasser die Rede. Und man muss sich immer dafür entschuldigen, wenn man mal nichts Alkoholisches trinken möchte. Als Ausrede gelten höchstens Schwangerschaft, Krankheit und „noch mit dem Auto nach Hause fahren müssen“.

40 Tage Fasten

Mit dem Aschermittwoch beginnt die kirchliche Fastenzeit. Die Westkirche bezeichnet damit den vierzigtägigen Zeitraum bis Ostern. Wer das aber genau nachrechnet, stellt schnell fest: Das sind 46 Tage. Des Rätsels Lösung: Die sechs Sonntage werden herausgerechnet. Grund ist, dass man unbedingt auf die Zahl 40 kommen möchte. Diese nimmt einen besonderen symbolischen Stellenwert in der Bibel ein. Jesus hat 40 Tage in der Wüste gefastet, die Sintflut dauerte 40 Tage und 40 Jahre zog das Volk Israel durch die Wüste. 40 Tage verbrachte Moses auf dem Berg Sinai und nach 40 Tagen ohne feste Nahrung und durch Büßen wurde dem Propheten Jona zugesichert, dass die Stadt Ninive vom Untergang verschont würde.

Fasten ja, aber was genau?

Fasten wird schon lange nicht mehr nur aufs Essen bezogen. Es kann auch das Weglassen von Süßigkeiten, des Medienkonsums oder des Smartphones sein. Es gibt Fleischabstinenz, Nikotinfasten und Autofasten. Laut einer aktuellen Umfrage der Krankenversicherung DAK könnten sich 65 Prozent der Befragten theoretisch vorstellen, auf Alkohol in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern zu verzichten. Zwischen der Vorstellung und der Umsetzung liegt eigentlich nur ein kleiner Schritt. Wichtig ist, dass man sich klar macht, warum man die 40 Tage Abstinenz auf sich nehmen möchte. Es muss ein klares Ziel formuliert werden, sonst bricht sich der innere Schweinehund wieder Bahn.

Das bringt Alkohol-Fasten

  1. Erholsamerer Schlaf: Alkohol verkürzt die tatsächliche Schlafzeit und verschlechtert auch die Qualität des Schlafes. Wer einen „Absacker“ zum besseren Einschlafen trinkt, erreicht also genau das Gegenteil. Man schläft vielleicht schneller ein, aber unterm Strich nicht so gut wie ohne.
  2. Weniger flüssige Kalorien: Eine große Flasche Bier enthält ungefähr so viele Kalorien wie ein Burger. Vor allem süße Liköre und Hochprozentiges sind wahre Energiebomben. Wer mit dem Alkohol mal aussetzt, kann also durchaus den Erfolg auch auf der Waage sehen.
  3. Der Blutdruck normalisiert sich: Laut Deutscher Herzstiftung steigt bei Männern der Blutdruck meist ab etwa 30 Gramm Alkohol an, bei Frauen bereits ab ca. 20 Gramm Alkohol. Eine kanadische Studie zeigt, dass Abstinenz einen erhöhten Blutdruck senken kann. Bereits ab drei alkoholischen Getränken wirkte sich ein Verzicht auf die Blutdruckwerte aus.
  4. Das Herz schöpft neue Kraft: Jeder Dritte leidet, wenn er Alkohol trinkt, unter Herzrhythmusstörungen und Herzrasen. Bereits geringe Mengen an Alkohol erhöhen das Risiko für Vorhofflimmern. Schon nach einem halben Tag Abstinenz normalisiert sich das Herz und Beschwerden treten seltener auf, wenn keine Herzerkrankung vorliegt.
  5. Die Haut wird schöner: Abstinenz macht sich bereits nach vier Wochen in der Haut positiv bemerkbar. Alkohol fördert die Pickelbildung und schwächt das Immunsystem, da Vitamine schlechter aufgenommen werden können. Das macht anfälliger für verschiedene Hauterkrankungen. Ohne Alkohol bessern sich bestehende Hauterkrankungen.
  6. Die Leber erholt sich: Die Leber hat grundsätzlich die Fähigkeit, Schäden im Frühstadium zurückzubilden, so die Deutsche Leberhilfe e. V. Aber auch bei weiter fortgeschrittenen Leberschäden wie einer Zirrhose kann ein Verzicht den Krankheitsverlauf immer noch stark bremsen.
  7. Laune und Energiepegel steigen: Bereits nach wenigen Tagen ohne fühlt man sich ausgeruhter, leistungsfähiger und kann sich besser konzentrieren.

Das „Weiter so“ in Frage stellen

Genauso wichtig wie die Abstinenzphase ist die Zeit im Anschluss an das Fasten. Es geht nicht darum, genau so weiter zu machen wie vorher. In 40 Tagen hat man Zeit, sich über seine Gewohnheiten bewusst zu werden und sie zu überdenken. Man stellt vielleicht fest: So schlimm ist das gar nicht, mal ohne zu leben. Vielleicht steigt der Gedanke auf: Ich brauche das, auf das ich gerade verzichte, gar nicht so dringend, wie ich dachte. Es eröffnet sich die Gelegenheit, etwas grundsätzlich zu ändern und auf Dauer beizubehalten.