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Myth-Buster: Zecken

Für Zecken ist jetzt Hochsaison. Für unsere Angst vor den kleinen Blutsaugern leider auch. Denn nach wie vor ranken sich viele Unwahrheiten um Zeckenstiche, Borreliose und Co. Wir sagen dir, was stimmt und was nicht.

Zecken, Borreliose und FSME: 7 Mythen im Check

Mythos 1: Zeckengefahr besteht nur im Sommer.

Nein, Zecken sind ab Temperaturen von 6 Grad Celsius aktiv. Laut Robert Koch-Institut (RKI) kann man Zecken das ganze Jahr in Deutschland finden. Besonders rege sind sie aber im Frühjahr und Herbst. Durch Zecken übertragbare Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose treten hingegen im Frühling, Sommer und Herbst auf.

Mythos 2: Zecken fallen vor allem im Wald von Bäumen.

Zecken: Mann hält Grashalm mit einer Zecke zwischen den Fingern
Quelle: istockphoto.com | Kerstin Waurick

Zecken lauern nicht auf Bäumen und lassen sich auf ihre Opfer fallen. Sie warten überwiegend im Gras, Laub oder in Sträuchern auf einer Höhe von 10 bis 50 cm über dem Boden darauf, dass ein Tier oder ein Mensch vorbeikommt und sie abstreift. Ihr bevorzugter Lebensraum ist nicht nur der Wald, sondern jeder Ort, an dem es Pflanzen gibt. Also auch in der Stadt, auf der Wiese im Park, in Gärten oder Freibädern.

Mythos 3: Wenn ich nicht in Bayern und Baden-Württemberg lebe, besteht auch keine Gefahr für FSME oder Borreliose.

Das größte Risiko für eine FSME-Infektion besteht laut RKI aktuell vor allem in

  • Bayern,
  • Baden-Württemberg,
  • Sachsen,
  • Südhessen
  • sowie im südöstlichen Thüringen.

Darüber hinaus gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen. Aktuell gelten 164 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiet. Zudem kommt FSME auch in vielen europäischen Urlaubsländern vor. Zecken, die Borreliose übertragen gibt es hingegen in ganz Deutschland.

Mythos 4: Lange Kleidung schützt ausreichend vor Zecken.

Zecken: Frau sprüht Hose und Schuhe eines kleinen Jungen mit Spray ein
Quelle: istockphoto.com | Imgorthand

Lange Kleidung schützt – aber nicht genügend. Grundsätzlich finden Zecken auf glatten Stoffen weniger Halt. Deswegen sind feste Schuhe, lange Hosen und Oberteile sowie eine Kopfbedeckung immer ein guter Schutz für die von Zecken bevorzugten Hautpartien. Aber manchmal machen es sich die Blutsauger auch in der Hosennaht oder in Strümpfen bequem und lauern auf ihre nächste Chance. Deswegen nach dem Aufenthalt im Wald, auf Feld und Wiesen die Haut gründlich absuchen. Bei unbedeckten Hautpartien Zecken abwehrende Mittel verwenden.

Mythos 5: Bei einem Zeckenstich muss ich sofort zum Arzt.

Das ist nicht nötig. Die Zecke kannst du selbst mit einer Pinzette, einer Zeckenkarte oder einer speziellen Zeckenzange entfernen. Desinfiziere im Anschluss die Stichstelle mit einem Wundspray und beobachte sie in den kommenden Wochen. Bildet sich ein runder, großer roter Hof und breitet sich die Rötung flächig aus (Wanderröte), dann geh zu deinem Hausarzt. Es besteht die Gefahr einer Borreliose. Ärztliches Eingreifen empfiehlt sich auch, wenn nach einem Zeckenstich folgende Krankheitszeichen auftreten:

  • Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Mythos 6: Eine Zecken-Impfung schützt vor Zeckenbefall.

Zecken: Termin für FSME-Impfung in einem Terminkalender
Quelle: istockphoto.com | Leonsbox

Das ist falsch! Grundsätzlich gilt: eine Impfung, die vor Zecken schützt, gibt es nicht. Lediglich eine Impfung gegen FSME, eine Viruserkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Die FSME-Impfung ist vor allem für Personen wichtig, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort länger aufhalten. Und auch in diesem Fall schützt die Impfung nicht vor Zecken, sondern vor einer Ansteckung mit FSME.

Mythos 7: Zecken lassen sich am besten mit Hausmitteln wie Öl entfernen.

Keine Experimente, wenn es darum geht, eine Zecke zu entfernen. Öl, Alkohol, Nagellackentferner oder andere Hausmittel sind vollkommen ungeeignet, um den fiesen Blutsauger loszuwerden. Diese Mittel reizen die Zecke und führen dazu, dass sie ihren Speichel in die Stichstelle absondert – und damit auch mögliche Krankheitserreger. Stattdessen die Zecke zum Beispiel mit einer Pinzette dicht über der Haut greifen und langsam ohne Drehung herausziehen.

So entfernst du Zecken richtig

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Was taugen Zeckenschnelltests?

Medizinische Labore bieten sogenannte Zeckenschnelltests an. Dafür können entfernte Zecken eingeschickt werden, um diese auf Krankheitserreger zu untersuchen. Diese Tests weisen allerdings nur nach, ob eine Zecke Krankheitserreger enthält oder nicht. Ob diese auf den Menschen übertragen wurden, lässt sich damit nicht klären. Treten bei dir Symptome nach einem Zeckenstich auf, dann geh zu deinem Hausarzt. Er führt dann ggf. einen Bluttest durch und leitet die passende Therapie ein.