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Herdenimmunität: Mit Impfungen sich und andere schützen

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fällt immer wieder der Begriff Herdenimmunität. Wir erklären, was es damit auf sich hat und warum es durch Impfungen möglich ist, gefährliche Infektionskrankheiten auszurotten.

Herdenimmunität durch Impfungen

Mit einer Impfung kann man sich vor ansteckenden Krankheiten schützen. Doch man schützt damit auch andere, die nicht geimpft werden dürfen, wie Säuglinge oder chronisch kranke Menschen. Ist ein Großteil der Bevölkerung geimpft, sinkt das Risiko vor Ansteckung: Es entsteht die sogenannte Herdenimmunität.

Was bedeutet Herdenimmunität?

Herdenimmunität heißt, dass die Bevölkerung vor einer ansteckenden Krankheit geschützt ist, weil ein großer Teil der Mitglieder dieser Population (der Herde) dagegen immun ist – entweder durch eine Impfung oder eine frühere Infektion. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, darf allerdings jede infizierte Person im Durchschnitt nicht mehr als eine andere Person anstecken. Erst wenn die Infektionsrate geringer als eins ist, greift der Herdenschutz. Der kann weitere Infektionen zwar nicht immer komplett verhindern, sorgt aber dafür, dass sich die Krankheit viel langsamer und nicht unbegrenzt ausbreitet.

Herdenimmunität: Menschenmenge mit illustrierte elementen zur Immunität, Infektion und Gesundheit der Menschen..
Quelle: stock.adobe.com | ©rcfotostock

Auf die Impfrate kommt es an

Je ansteckender eine Krankheit ist, desto mehr Menschen müssen immun dagegen sein, um die Herdenimmunität zu erreichen. Im Fall der hochansteckenden Masern kann ein einziger Mensch zum Beispiel bis zu 18 weitere infizieren. Damit die Infektionsrate bei Masern auf weniger als eins sinkt, müssen also geimpfte Personen als Puffer zwischen fast jedem Infizierten und jedem Nicht-Geimpften stehen. Erst wenn die Zahl der geimpften Personen (Impfrate) bei etwa 95 Prozent liegt, sind auch die Nicht-Geimpften vor Ansteckung geschützt. Dazu gehören unter anderem:

  • Menschen mit Immunkrankheiten, die nicht geimpft werden können,
  • Menschen mit nachgewiesenen Allergien gegen bestimmte Impfstoffe (Bestandteile) sowie
  • ungeimpfte Kleinkinder im Alter bis zu einem Jahr.

Auch wenn es aktuell noch keinen geeigneten Impfstoff gegen das Corona-Virus gibt – durch die Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig Impfungen grundsätzlich sind. Positive Beispiele wie die Pocken und Kinderlähmung (Polio) zeigen, dass es mit Impfungen sogar gelingen kann, gefürchtete Infektionskrankheiten ganz auszurotten. Um das auch bei Masern zu erreichen, hat die Bundesregierung Anfang des Jahres die Impfpflicht gegen Masern eingeführt.

Krankheiten kennen keine Grenzen

Bestimmte ansteckende Infektionskrankheiten kommen in Europa zwar nur noch selten vor, in anderen Ländern sind sie aber nach wie vor stark verbreitet. Deshalb ist es wichtig, dass weiterhin gegen sie geimpft wird – auch bei uns. Andernfalls könnten zum Beispiel Polio-Erreger aus Teilen Asiens und Afrikas durch Reisende nach Deutschland gelangen und hier auf eine nicht ausreichend geimpfte Bevölkerung treffen. Dadurch wäre eine erneute Ausbreitung der Krankheit auch bei uns jederzeit möglich. Um dies zu verhindern, versucht man, mit einer hohen Zahl geimpfter Menschen die Herdenimmunität zu erreichen.

Herdenimmunität auch ohne Impfung?

Nicht nur Impfungen, auch Infektionen können in bestimmten Fällen zur Herdenimmunität führen. Das funktioniert aber nur, wenn das Immunsystem aus der Infektion lernt und genau gegen die Erreger dieser Infektion immun wird. Zudem muss ein Großteil der Bevölkerung die jeweilige Erkrankung selbst durchlaufen. Bei schweren Krankheiten besteht allerdings die Gefahr, dass viele Menschen im Verlauf daran sterben. Und dies betrifft nicht nur ungeimpfte Kleinkinder, alte oder kranke Menschen, sondern auch jüngere und gesunde Personen. Außerdem gibt es immer ein Risiko, dass die Krankheit Spätfolgen hinterlässt. Daher gilt die vorbeugende Impfung als der sicherere Weg, um eine Immunität zu erreichen.

Herdenimmunität gegen Corona-Viren?

Bisher weiß man noch zu wenig über die neue Gruppe der Corona-Viren, aber theoretisch könnte auch die Infektion mit diesen Viren zur Herdenimmunität führen. Man beobachtet, dass ein Teil der damit infizierten Personen einige Zeit lang ansteckend ist, sich dann erholt, gesund wird und anschließend für einen bisher nicht bekannten Zeitraum immun gegen die erneute Infektion zu sein scheint.

Je mehr Menschen sich von der Erkrankung COVID-19 erholt haben, desto eher würde also eine Herdenimmunität gegen das Corona-Virus erreicht. Unklar ist aber, ab wann die Herdenimmunität greift. Experten gehen momentan davon aus, dass 50 oder 75 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus immun sein müssten, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu stoppen. Dies ist allerdings nur ein Rechenmodell. Denn Erfahrungen mehrerer Länder zeigen: Lässt man der Infektion freien Lauf, führt das zu vielen Schwerstkranken und Todesfällen.

Wissen im Netz

  • Eine Animation auf der Seite impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt wie Herdenimmunität funktioniert.
  • Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Umgang mit dem Corona-Virus gibt es auf der Seiten infektionsschutz.de der BZgA.