Kategorien
#Medizinwissen

Wie sinnvoll ist die Grippeimpfung?

Eine Grippeimpfung schützt zwar nicht vor dem Corona-Virus, kann aber das Risiko einer Doppelinfektion verringern. Der Schutz vor Grippe ist also eine wichtige Vorsorge – für dich und andere.

Grippeimpfung – viele gute Gründe

Impfungen zählen seit langem zu den wirksamsten Vorsorgemaßnahmen in der Medizin. Das gilt auch für die Grippeschutzimpfung weil sie das Risiko für schwere oder sogar tödliche Krankheitsverläufe als Folge einer Grippeinfektion senkt. Auch wer sich trotz der Impfung ansteckt, ist besser geschützt, weil die Erkrankung milder verläuft als bei Menschen, die nicht geimpft sind.

Übrigens: Die Kosten der Impfung übernehmen normalerweise die Krankenkassen.

Experten empfehlen die Impfung

Viele Menschen unterschätzen immer noch, wie gefährlich das Grippevirus sein kann. „Schniefen, Husten, ein bisschen Fieber, das läuft alles unter dem Massenbegriff ,Grippe‘. Man muss aber den einfachen grippalen Infekt, den wir alle mehrfach im Winter haben, von der echten Grippe unterscheiden. Diese wird durch das Influenza-Virus ausgelöst und ist eine schwere Allgemeininfektion“, betont Professor Dr. Regine Heilbronn, Direktorin des Instituts für Virologie der Charité in Berlin.

Verglichen mit anderen Erregern von Atemwegskrankheiten verursachen Influenza-Viren deutlich häufiger schwere Krankheitsverläufe. Nach Ansicht von Klaus Reinhardt, dem Präsidenten der Bundesärztekammer hat sie außerdem einen positiven Effekt auf das Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus. Denn jede Impfung ist eine Art Trainingsprogramm für das Immunsystem: Die Grippeimpfung führe zwar nicht zu einer spezifischen Immunisierung gegen das Corona-Virus, könne aber das Immunsystem zusätzlich stärken, sodass eine Infektion auch mit diesem Erreger harmloser verlaufen würde.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Influenza-Impfung vor allem Menschen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe und dem zusätzlichen Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus. Außerdem sollten sich Menschen impfen lassen, die aus beruflichen Gründen viel Kontakt zu anderen Personen haben und sich dadurch schneller anstecken können.

Zu den Risikogruppen gehören:

  • ältere Personen ab 60 Jahren
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Krankheiten der Atemwege, Herz-Kreislauf-, Leber-, Nieren- oder Stoffwechselkrankheiten (wie Diabetes), einer Erkrankung des Immunsystems (wie HIV-Infektion) oder einer neurologischen Krankheit (wie Multipler Sklerose)
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei chronischen Erkrankungen schon ab erstem Schwangerschaftsdrittel
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • medizinisches Personal oder Pflegepersonal
  • Haushaltsangehörige einer Risikoperson
  • Personen mit viel Publikumsverkehr wie Lehrer oder Busfahrer

Wer an einer akuten, behandlungsbedürftigen Krankheit mit Fieber leidet, darf nicht geimpft werden. Allerdings sollte die Impfung nach deren Abklingen so bald wie möglich nachgeholt werden. Auch bei nachgewiesenen schweren Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs, wie gegen Hühnereiweiß, muss auf die Impfung mit diesem Impfstoff verzichtet werden.

Grippeimpfung für Kinder

Bei der Frage, ob Kinder geimpft werden sollten sind sich die Experten uneins. Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung nur bei Kindern mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund einer Vorerkrankung. Im Einzelfall sollten Eltern den Haus- oder Kinderarzt ansprechen.

Welche Nebenwirkungen kann die Grippeimpfung haben?

„Bei der Grippeimpfung kann der Impfstoff einige wenige Reaktionen auslösen, die auch die echte Impfung auslöst. Diese grippeähnlichen Beschwerden klingen aber meist schnell ab und krank wird man garantiert nicht,“ weiß Regine Heilbronn. „Insofern gibt es eigentlich keinen wirklich wichtigen Grund, warum man sich nicht impfen lassen sollte. Impfschäden durch die Grippeimpfung sind nicht bekannt.“

Bei dem Impfstoff handelt es sich meist um einen Totimpfstoff, der Bruchstücke von Grippeviren enthält. Die Impfung kann also niemals selbst eine Influenza auslösen. Vorübergehende Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Impfstelle sind normale Anzeichen, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert. Sie verschwinden in der Regel auch nach wenigen Tagen wieder.

Bis wann kann man sich gegen Grippe impfen lassen?

Der beste Zeitraum für die Grippeimpfung sind die Monate Oktober und November – also vor der ersten Grippewelle, die meist Ende Dezember beziehungsweise Anfang des Jahres auftritt. So hat man rechtzeitig den Impfschutz aufgebaut, ist aber auch noch vor der Zeit, in der die normalen Schnupfen- und Hustenerkrankungen beginnen. Denn man sollte sich möglichst impfen lassen, wenn man sich gesund fühlt.

Aber auch eine spätere Impfung ist noch sinnvoll – besonders, wenn die Grippewelle noch nicht eingesetzt oder gerade erst begonnen hat.

Kein Mangel an Impfstoff

Befürchtungen, dass es zu wenig Impfstoff geben könnte, sind laut Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), unbegründet. Das PEI hält ausreichende Mengen an Grippeimpfstoff für die Influenza-Saison 2020/21 bereit. Zudem sei die Grippeimpfrate in der Risikogruppe erfahrungsgemäß nach wie vor sehr niedrig. So haben sich in der Saison 2018/19 nur rund 35 Prozent der Menschen ab 60 Jahre und zwischen 20 und 50 Prozent der chronisch Kranken impfen lassen.


Lässt du dich dieses Jahr gegen Grippe impfen?