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Kreidezähne bei Kindern: schlimmer als Karies

Immer mehr Kinder leiden unter bräunlich verfärbten und porösen Zähnen. Grund dafür ist ein Zahnschmelzdefekt. Doch wie entstehen die sogenannten Kreidezähne? Wie erkennen Eltern die Erkrankung? Und: Was hilft gegen Kreidezähne?

Volkskrankheit Kreidezähne

Die ersten vereinzelten Fälle tauchten in den 1980er Jahren auf. 2016 war laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie schon beinahe jedes dritte Kind (28,7 Prozent) betroffen. Experten schätzen, dass bis zu 15 Prozent der Kinder hierzulande unter Kreidezähnen leiden – so viele, dass die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) von einer neuen Volkskrankheit bei Kindern spricht. Doch nach wie vor gibt die Erkrankung Zahnärzten Rätsel auf.

Was sind Kreidezähne?

Der medizinische Fachbegriff für Kreidezähne lautet „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“, kurz MIH. Er beschreibt, dass die Backenzähne („Molaren“) und Schneidezähne („Inzisiven“) nicht ausreichend mineralisiert und ausgereift sind („hypomineralisiert“). Das heißt: Im Zahnschmelz werden zu wenige Mineralien eingelagert. Die Zähne werden dadurch brüchig und extrem schmerzempfindlich.

Der Zahnschmelzdefekt tritt meist an den ersten bleibenden Backenzähnen und häufig auch an den bleibenden Frontzähnen auf. Selten sind bereits Milchzähne davon betroffen. Die Krankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Laut Deutscher Mundgesundheitsstudie ist in den meisten Fällen (23,3 Prozent) lediglich ein Teil des Zahns eingetrübt.  

Wie erkennt man Kreidezähne?

Die betroffenen Zähne haben kalkweiße, gelbliche bis braune Flecken. Je größer und dunkler die Flecken ausfallen, desto weniger Mineralien sind in den Zähnen eingelagert.

Kreidezähne sind nicht nur unschön, sondern tun mitunter auch richtig weh – vor allem bei Kontakt mit kalten und heißen Speisen oder Getränken. Durch die zunehmende Schmerzempfindlichkeit fällt vielen Betroffenen das Kauen und das Zähneputzen schwer. Wenn die Kinder und Jugendlichen jedoch „kauaktive Nahrung“, zum Beispiel Äpfel, Vollkornbrot oder Müsli, vermeiden und gleichzeitig ihre Mundhygiene vernachlässigen, begünstigt das andere Zahnkrankheiten wie etwa Karies. Ein Teufelskreis.

Wie entstehen Kreidezähne?

Warum immer mehr Kinder unter Kreidezähnen leiden, ist unklar. Fest steht, die Krankheit ist schon beim Durchbruch der Zähne vorhanden. Probleme im letzten Schwangerschaftsdrittel, Infektionskrankheiten, Antibiotika, Vitamin-D-Mangel, Dioxine in der Umwelt sowie eine entsprechende genetische Veranlagung werden als mögliche Ursachen und Auslöser gehandelt. Häufig werden auch Weichmacher genannt, die in Plastikprodukten stecken, wie etwa Bisphenol A. Tierversuche stützen diese Annahme. Experten gehen unterdessen davon aus, dass mehrere Umstände gleichzeitig vorliegen müssen, damit ein Zahn erkrankt.

Was hilft gegen Kreidezähne?

Da die genauen Ursachen unbekannt sind, kann man Kreidezähnen bislang nicht ursächlich vorbeugen. Der Zahnarzt kann die betroffenen Zähne frühzeitig mit Fluorid-Medikamenten, wie zum Beispiel Calcium-Pasten behandeln und sie bei Bedarf mit einer Zementfüllung versehen, damit sie nicht so empfindlich sind. Auch die richtige Zahnpflege hilft, die befallenen Zähne ein Leben lang zu erhalten. Nur in äußerst seltenen Fällen (0,1 Prozent) muss ein Zahn gezogen werden.

Kreidezähne bei Kinder – was tun?
Infos und Tipps für Eltern

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Auch wenn die Ursachen weitgehend unbekannt sind, sind Kinder der MIH nicht schicksalhaft ausgeliefert. Eltern und Zahnarztteam können den kleinen Patienten helfen. „Die Eltern müssen allerdings nur entsprechend früh aufgeklärt werden“, sagt Dr. Andrea Thumeyer, Zahnärztin in Wiesbaden und Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen. Hier ihre Tipps und Infos:

  1. Eltern müssen wissen, dass die ersten vier bleibenden Backenzähne („6er“) besonders wichtig fürs Kauen sind und deshalb auch besondere Pflege benötigen. Bereits im Alter von vier bis fünf Jahren fängt der Kiefer an, nach hinten zu wachsen. Es entstehen die sogenannten Molarenfelder hinter den Milchbackenzähnen. Um den sechsten Geburtstag herum brechen dann die sogenannten Zuwachszähne bei Kindern durch – meist bevor vorne die Milchzahnkronen der Frontzähne herausfallen und durch bleibende Frontzähne ersetzt werden. Deshalb sollten Eltern jetzt Schneide- und Backenzähne genau beobachten.
  2. Die „6er“ haben am Anfang meist sehr tiefe Fissuren und können mit der Zahnbürste nur schwer erreicht werden. Mit den empfohlenen Hin- und Herbewegungen beim Putzen werden die Kauflächen dieser Zähne meist nicht erreicht, weil diese weiter oben (Oberkiefer) beziehungsweise tiefer (Unterkiefer) als die Kauebene der Milchzähne liegen. Deswegen müssen sie quer mit der Handzahnbürste oder einzeln mit der elektrischen Zahnbürste sauber geputzt werden.  
  3. Alle bleibenden Zähne haben bei ihrem Durchbruch nur etwa 60 Prozent ihres Endmineralgehaltes. Deshalb sind sie am Anfang empfindlich. Der Speichel benötigt fünf Jahre, um die Zähne hundertprozentig auszuhärten. Deshalb müssen sie gerade in der Durchbruchsphase besonders geschützt werden, zum Beispiel durch eine Versiegelung mit CHX-Lack alle drei Monate in der Zahnarztpraxis. Haben die vier „6er“ die Kauebene erreicht, können sie endgültig mit einem Komposit versiegelt werden.
  4. Kinder mit Kreidezähnen sollten alle drei Monate zum Zahnarzt gehen.

Zähne richtig zählen – eine Anleitung

Wie Eltern die Zähne im Mund ihres Kindes richtig zählen, zeigt das Video der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH).

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Tipp: Auf den Seiten der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege finden Eltern noch viele andere nützliche Tipps und Infos rund um die Themen gesunde Zähne und Zahnpflege.