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Natürliche Verhütung – ohne Hormone und Hilfsmittel

Immer mehr Frauen verzichten auf Pille und Co. und setzen stattdessen auf natürliche Verhütung. Doch nicht alle natürlichen Verhütungsmethoden gelten als sicher. Und der Umstieg gelingt nicht von heute auf morgen.

Was ist natürliche Verhütung?

Natürliche Verhütung bedeutet:

  • Verhütung ohne Hormone – wie zum Beispiel Pille, Vaginalring oder Hormonpflaster.
  • Verhütung ohne Hilfsmittel – wie zum Beispiel Kondome, Diaphragma oder Kupferspirale.

Wie funktioniert die natürliche Verhütung?

Bei natürlichen Verhütungsmethoden beobachten Frauen ihre Körpersignale. So können sie fruchtbare von unfruchtbaren Tagen unterscheiden. Ausschlaggebend sind dafür die Körpertemperatur und das Scheidensekret (Zervixschleim). Viele Frauen mit Kinderwunsch nutzen diese Methode zur natürlichen Familienplanung (NFP). Im Umkehrschluss zeigt sie Paaren aber auch, wann sie auf Sex verzichten oder anderweitig verhüten müssen, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Vorteile der natürlichen Verhütung

  • Frauen lernen ihren eigenen Körper besser kennen.
  • Natürliche Verhütungsmethoden an sich sind kostenlos. Eventuell fallen einmalig die Kosten für ein Thermometer an.
  • Anders als bei der Kupferspirale oder einem Hormonimplantat ist kein ärztlicher Eingriff notwendig.
  • Keine Nebenwirkungen wie bei der Pille und anderen Hormonpräparaten
  • Die natürlichen Abläufe im Körper werden nicht beeinflusst.
  • Der Geschlechtsverkehr muss nicht unterbrochen werden, etwa um ein Kondom zu benutzen.

Nachteile der natürlichen Verhütung

  • Die Methoden können Kondom oder Pille nicht von heute auf morgen ersetzen. Um den Körper kennenzulernen und die Körpersignale richtig deuten zu können, braucht es Zeit. In der Regel dauert es drei bis sechs Monate, bis die Methoden sicher beherrscht werden. Auch danach erfordern sie meist viel Disziplin.
  • Der Zeitraum der fruchtbaren Tage kann meistens nur grob auf zehn bis 14 Tage eingegrenzt werden. Wer keinen Kinderwunsch hat, muss in dieser Zeit entweder auf Geschlechtsverkehr verzichten oder anderweitig verhüten.
  • Stress, wenig oder unregelmäßiger Schlaf (etwa durch Schichtarbeit), Erkrankungen, Medikamente oder Alkohol beeinflussen den Körper. Sie können die Körpertemperatur verändern – und Messergebnisse verfälschen.
  • Natürliche Verhütungsmethoden bieten keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Für wen ist natürliche Verhütung geeignet?

Natürliche Verhütungsmethoden eignet sich vor allem für Paare in festen Beziehungen. Denn sie bietet keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Wer also wechselnde Partner hat, sollte sich immer zusätzlich mit einem Kondom schützen. Außerdem sind natürliche Verhütungsmethoden nicht so sicher wie die hormonelle Verhütung. Paare, die natürlich verhüten, sollten einer Schwangerschaft also nicht prinzipiell ablehnend gegenüberstehen.

Für Frauen mit sehr unregelmäßigen Zyklen oder Zyklen ohne Eisprung ist diese Methode ebenfalls ungeeignet. Die Körpersignale können außerdem während der Stillzeit, in der Pubertät, in den Wechseljahren oder bei bestimmten, längerfristigen Erkrankungen durcheinandergeraten. In diesen Fällen sollten Frauen besser auf andere Verhütungsmittel zurückgreifen als auf natürliche Verhütungsmethoden.

Welche natürlichen Verhütungsmethoden gibt es und wie sicher sind sie?

Die symptothermale Methode (Temperatur-Methode) ist als natürliche Verhütungsmethode am geeignetsten. Die Zykluskalender-Methode hingegen gilt als unsicher, ebenso wie der Coitus interruptus.

Die Symptothermale Methode

Diese Methode kombiniert zwei Körpersignale: zum einen die Körpertemperatur und zum anderen die Beschaffenheit des Zervixschleims.

  • Zu Beginn des Zyklus ist die Vagina eher trocken, es gibt nur wenig Zervixschleim. Einige Tage vor dem Eisprung ist der Schleim dann weißlich-trüb. An den fruchtbaren Tagen verändert er sich. Er wird klar und verflüssigt sich. Sind die fruchtbaren Tage vorüber, wird er wieder weißlich-trüb.
  • Die Körpertemperatur muss jeden Morgen vor dem Aufstehen gemessen werden. Egal ob im Mund, in der Vagina oder im Anus – wichtig ist, in einem Zyklus an der gleichen Stelle zu messen. Nach dem Eisprung steigt die Temperatur leicht an. Sie zeigt also vor allem, wann der Eisprung vorüber ist.

Um die Anwendung zu erleichtern, gibt es bestimmte Hilfsmittel. Das können einfache Tabellen sein, in die Temperatur und Angaben zum Scheidensekret eingetragen werden. Es gibt aber auch Apps oder kleine Temperaturcomputer, die die Daten auswerten. Wichtig: Diese können immer nur als Ergänzung und Unterstützung der Methode genutzt werden. Sie ersetzen nie das Erlernen der Methode an sich.

Fazit: Wer seinen Körper gut kennt, geübt ist und diszipliniert misst, kann die fruchtbaren Tage durch diese natürliche Verhütungsmethode auf zehn bis 14 Tage eingrenzen. Darin ist miteingerechnet, dass Spermien bis zu drei Tagen in der Gebärmutter zeugungsfähig bleiben können. Insgesamt ist die Methode jedoch nicht so sicher wie hormonelle Verhütung. Anwendungsfehler oder mangelnde Sorgfalt sind die häufigsten Gründe, wenn Frauen trotzdem schwanger werden. Um Fehler zu vermeiden, gibt es Kurse, in denen diese natürliche Verhütungsmethoden erlernt werden kann. Mehr Informationen unter anderem auf sensiplan.de oder mynfp.de.

Kalendermethode

Sie ist auch bekannt als Knaus-Ogino-Methode. Grundlage ist die Dokumentation des individuellen Zyklus. Der liegt meist zwischen 26 und 30 Tagen. Anhand der Zyklen der letzten sechs, besser noch zwölf Monate wird berechnet, wann der Zeitraum der Fruchtbarkeit am wahrscheinlichsten ist. Die reine Berechnung lässt jedoch die Körpersignale außer Acht. Diese können den Eisprung und damit die fruchtbare Zeit viel besser anzeigen. Da die wenigsten Frauen einen exakt gleichmäßigen Zyklus haben und es immer wieder zu Abweichungen kommen kann (zum Beispiel durch Stress oder Krankheit), ist diese natürliche Verhütungsmethode nicht sehr sicher.

Coitus interruptus

Coitus interruptus bedeutet unterbrochener Geschlechtsverkehr. Der Mann zieht dabei seinen Penis aus der Vagina, bevor es zum Samenerguss kommt. Die Frau ist dabei völlig auf den Mann und seine Beherrschung angewiesen. Doch bereits vor dem Samenerguss oder dem Orgasmus können kleine Tröpfchen Samenflüssigkeit austreten, der sogenannte Lusttropfen. Das kann ausreichen, um zur Befruchtung einer Eizelle zu führen. Diese natürliche Verhütungsmethode ist daher sehr unsicher und nicht zu empfehlen.