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Nachgefragt: Corona und Lebensmittel

Kann das Corona-Virus über Lebensmittel übertragen werden? Geht von Lebensmitteln wie Eis oder Fleisch eine Gefahr aus? Das fragen sich viele Menschen – nicht erst seit dem Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachtbetrieb. Wir haben bei Wiebke Franz, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Hessen, nachgefragt.

Corona und Lebensmittel: „Keine Angst vor unverpackten Lebensmitteln!“

Wiebke Franz
Foto: Verbraucherzentrale Hessen

Ernährungswissenschaftlerin Wiebke Franz ist bei der Verbraucherzentrale Hessen als Referentin für Marktbeobachtung und Öffentlichkeitsarbeit der Fachgruppe Lebensmittel und Ernährung tätig. Zudem ist sie Mitglied der Redaktion des Internetportals lebensmittelklarheit.de.

Frau Franz, kann ich mich über Lebensmittel mit dem Corona-Virus anstecken?

Wiebke Franz: Bisher sind keine Fälle bekannt, bei denen sich Menschen über Lebensmittel mit dem neuartigen Corona-Virus angesteckt hätten.

Wie sieht das bei Lebensmitteln aus, die aus dem Ausland kommen, zum Beispiel aus einer Region mit vielen Corona-Fällen?

Wiebke Franz: Auch hier ist bisher kein Fall bekannt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Lebensmittel aus dem Ausland die Ursache für eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus sind. Corona-Viren sind relativ instabil und sterben nach bisherigen Erkenntnissen innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen ab.

Was ist besser – verpackte oder unverpackte Lebensmittel?

Wiebke Franz: Sich über unverpackte Lebensmittel mit Corona anzustecken gilt als genauso unwahrscheinlich wie über verpackte Lebensmittel. Die Möglichkeit besteht theoretisch über eine Schmierinfektion: Dafür müssten aber ausreichend Viren frisch auf das Lebensmittel oder die Verpackung gelangt sein – zum Beispiel, wenn ein Infizierter darauf geniest hat. Anschließend müsste man die Verpackung oder das Lebensmittel anfassen und danach Mund, Nase oder Augen berühren. Corona-Viren sind zudem nicht sehr stabil.

Also kann ich weiterhin unverpacktes Gemüse und Obst kaufen?

Wiebke Franz: Auf jeden Fall. Aus Angst vor einer Infektion zu abgepacktem Gemüse und Obst zu greifen, ist nicht nötig. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, bei der die neuartigen Corona-Viren von infizierten Menschen an die Luft abgegeben und von anderen eingeatmet werden. Der Umwelt zuliebe sollte man aber lieber unverpackte Produkte kaufen. Der Berg an Verpackungsmüll ist sowieso schon wegen des angestiegenen To-Go-Konsums gewachsen. Wichtig ist, Gemüse und Obst vor dem Verzehr zu waschen – übrigens auch das Obst mit Schale. Wer ganz sicher sein will, kann es auch schälen.

Fleisch war nun besonders im Fokus. Können sich auf Fleisch, das aus einem Betrieb mit infizierten Mitarbeitern stammt, Corona-Viren befinden?

Wiebke Franz: Auch hier gilt wieder: Theoretisch ist es möglich, aber sehr unwahrscheinlich, da Corona-Viren nicht sehr stabil sind. Wird das Fleisch außerdem für mehrere Minuten auf über 70 Grad erhitzt, dann stirbt das Virus ab. Generell sollte man, wenn man Fleisch in der Küche verarbeitet, auf die Hygiene achten: Sich also vorher die Hände waschen, das Fleisch mit einer Fleischgabel in die Pfanne geben, Fleisch durchgaren, das Schneidbrett nach dem Schneiden von rohem Fleisch sorgfältig reinigen. Putzlappen und Handtücher regelmäßig wechseln.

Gibt es Lebensmittel, auf die man im Moment verzichten sollte?

Wiebke Franz: Wir empfehlen, kein rohes Fleisch zu essen. Und das nicht nur im Moment der Corona-Pandemie. Es können sich auch andere Keime, zum Beispiel Salmonellen oder Listerien darauf befinden. Auch auf rohen Fisch oder rohe Eier sollte man verzichten.

Muss ich mir beim Eis von der Eisdiele Sorgen machen?

Wiebke Franz: Bisher ist auch hier kein Fall bekannt. Der hauptsächliche Ansteckungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Es verringert das Risiko, sich das Eis in einem Becher geben zu lassen und es mit einem Löffelchen zu essen.